Wohnwagen autark: Lithium oder AGM Batterie?

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Welche Wohnwagen Batterie

Wenn du mit deinem Wohnwagen außerhalb von Campingplätzen übernachten möchtest und keinen Strom-Anschluss zur Verfügung hast muss dein Wohnwagen autark sein. Das heißt: du kannst auch ohne externe Stromzufuhr Lichter, Wasser- und Toiletten-Pumpe sowie deinen Kühlschrank benutzen. Mit einer Batterie.

Um dies umzusetzen benötigst du eine Batterie als Stromquelle. Aber welche genau? Und warum? Diese Fragen versuche ich dir hier zu beantworten.

Der zweite Aspekt, warum du eine Batterie benötigen könntest ist der Einbau eines Movers (Rangierhilfe). Mit der richten Batterie kannst du auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und den Wohnwagen gleichzeitig autark machen.

Wie üblich versuche ich, den Artikel nicht zu lang werden zu lassen damit du schnell und einfach einen kleinen Überblick bekommst. Denn ich habe es für mich schon desöfteren festgestellt: man möchte sich nicht durch quälende, überlange Texte quälen um dann am Ende noch nicht die gewünschten Infos zu bekommen. Also, dann mal los :-)

Autarkie mit dem Wohnwagen

Im Gegensatz zu Wohnmobilen, die eigentlich in allen Fällen neben der Starter-Batterie eine Bordbatterie besitzen und somit autark sind ist dies bei Wohnwagen vom Werk aus sehr selten der Fall. Wohnwagen sind eher dafür ausgelegt, mit externer Stromzufuhr auf dem Campingplatz zu verweilen.

Geht nicht, gibts nicht – und aus diesem Grund ist es durchaus möglich, deinen Wohnwagen so auszurüsten, dass auch er ein paar Nächte ohne Stromquelle – also autark – auskommt. Ohne das du auf Luxus verzichten musst.

Welche Batterie ist für den Wohnwagen die richtige Wahl?

Schaust du ins Internet und bemühst Tante Google, wirst du zum Thema „beste Wohnwagen-Batterie“ die irresten Ausführungen lesen. Und jede Ausführung hat durchaus ihren Sinn. Ich versuche für dich, die Frage nach der richtigen Wohnwagen-Batterie so verständlich wie möglich und vor allem völlig ohne werbetechnischen Hintergrund zu betrachten. Denn meine Batterie habe ich vollständig aus eigener Tasche bezahlt!

Dafür stelle ich dir die gängigsten Batterie-Typen für den Wohnwagen vor und stelle Vor- und Nachteile gegenüber. Viel Spaß!

Bevor ich nun mit dem Vergleich beginne, möchte ich dir den größten Unterschied zwischen Lithium-Eisenphosphat (LiFePO4) Batterien – das ist der korrekte Begriff – und herkömmlichen AGM Blei-Säure Batterien erläutern. Gel-Batterien halte ich für nicht zweckmäßig für den Gebrauch im Wohnwagen und behandle sie somit nicht.

AGM Batterie und Amperestunden – „Pfusch am Bau“?

Während du eine Lithium-Eisenphosphat (LiFePO4) Batterie vollständig entladen kannst – also wirklich alle Amperestunden (Ah) nutzen kannst, sieht das bei der AGM Blei-Säure Batterie komplett anders aus. Hier kannst du die auf der Batterie angegebenen Amperestunden nur ungefähr zur Hälfte nutzen, da die Batterie sonst tiefenentladen wird und unbrauchbar wird. Das solltest du dringend wissen! Eine Lithium-Batterie mit beispielsweise 60 Ah Stunden ersetzt also eine Blei-Säure Batterie mit 120 Ah.

Komisch? Ist aber so! Und wahnsinnig wichtig zu wissen!

Nun zum eigentlichen Vergleich.

AGM Blei-Säure Batterie für den Wohnwagen

Der Begriff AGM steht für „absorbent glass mat“. Die Blei-Vlies-Technologie verhindert, dass die Batteriesäure wie bei Nassbatterien hin- und her schwappt. Sie ist gut geeignet für die Verwendung im Wohnwagen, um diesen autark zu machen und einen Mover zu betreiben.

Die Vorteile der AGM Batterie im Wohnwagen

  1. Der Preis. Eine AGM-Batterie ist gegenüber einer Lithium-Batterie deutlich günstiger. Eine gute AGM-Batterie mit 75 Ah kostet ungefähr 200 Euro. Hinzu kommt natürlich noch das Ladegerät, welches mit ungefähr 50 Euro zu Buche schlägt.
  2. Wartungsfrei. Die AGM Batterie muss nicht gewartet werden, sie sollte allerdings im Winter ausgebaut und zuhause hin- und wieder geladen werden, damit sie sich nicht zu stark entlädt.

Die Nachteile der AGM Batterie im Wohnwagen

  1. Das Gewicht. Gerade beim Wohnwagen zählt jedes Kilo. Denn die Zuladung ist begrenzt. Hier steckt für mich der größte Nachteil der AGM Batterie. Sie ist ungefähr dreimal so schwer wie eine Lithium-Batterie mit gleicher Stärke. Mindenstens 25 kg sollte man hier einplanen.
  2. Vorsicht Tiefenentladung! Bei der AGM Batterie solltest du es tunlichst vermeiden, sie zu weit zu entladen. Denn ist sie einmal tiefenentladen, kannst du sie im Regelfall auf den Sondermüll werfen. Außerdem gilt: im Winter mit nach Hause nehmen und regelmäßig laden. Denn sie entlädt sich mit der Zeit selbst und das gilt es zu verhindern.
  3. Die Leistung. Wie oben schon geschrieben, ist die Anzahl der Ah bei AGM-Batterien etwas verwirrend. Tatsächlich kannst du davon nur ungefährt 50% nutzen.
  4. Die Langlebigkeit im Vergleich zur Lithium-Batterie. Die AGM-Batterie kannst du durchschnittlich ungefähr 600 mal wieder neu aufladen. Da bietet die Lithium-Batterie deutlich mehr.

Lithium-Eisephosphat (LiFePO4) Batterie im Wohnwagen

Der Begriff LiFePO4 steht für Lithium-Eisenphosphat und ist die modernste Batterie-Technik. Sie ist perfekt geeignet für die Verwendung im Wohnwagen, um diesen autark zu machen und einen Mover zu betreiben.

Die Vorteile der Lithium Batterie im Wohnwagen

  1. Das Gewicht. Die Lithium-Eisephosphat (LiFePO4) Batterie wiegt nur ungefähr ein Drittel einer AGM-Batterie und spart so ungeheuer viel Zuladung, die du stattdessen für deine Camping-Utensilien verwenden kannst.
  2. Wartungsfrei. Die Lithium Batterie muss nicht gewartet werden. Es bietet sich an, die Batterie voll geladen im Winter mit nach Hause zu nehmen. Da sie sich kaum selbst entlädt ist ein Nachladen im Winter nicht erforderlich.
  3. Die Leistung. Da du die volle Kapazität der Lithium-Batterie zur Verfügung hast wirst du keine Leistungs-Probleme haben. Vorausgesetzt natürlich, du hast sie für deine Bedürfnisse beim Kauf richtig dimensioniert.
  4. Die Langlebigkeit im Vergleich zur AGM-Batterie. Die Lithium-Batterie kannst du durchschnittlich mindestens 2.000 (!!!) mal wieder neu aufladen. Sie hält also wirklich viel länger als eine Blei-Säure-Batterie.

Die Nachteile der Lithium Batterie im Wohnwagen

  1. Der Preis. Der Preis ist unvergleichlich höher als bei einer AGM Batterie.
  2. Nutzung bei tiefen Temperaturen. Die Lithium Batterie mag keine tiefen Temperaturen. Bei Temperaturen unter 0 Grad kann sie nicht aufgeladen werden. Es gilt also sicherzustellen, dass es am Einbauort der Batterie ausreichend warm ist. Mittlerweile gibt es Modell, die bis minus 20 Grad betrieben werden können. Diese sind entsprechend teurer.

Lohnt sich der Aufpreis zur besseren Lithium Batterie?

Ein doppeltes JA! Stellt man Kosten und Nutzen gegeneinander ist der Preis nämlich überhaupt nicht mehr höher. Warum?

  1. Die Nutzungsdauer. Stellt man die angegebenen möglichen Wiederaufladungen gegeneinander, hält die Lithium-Batterie mindestens dreimal so lange durch wie die AGM Batterie.
  2. Eine 60 Ah Stunden Lithium-Batterie ersetzt zwei 60 Ah Stunden AGM-Batterien oder eine 120 Ah AGM Batterie! Dies habe ich dir weiter oben erläutert.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann die Lithium-Batterie die höheren Anschaffungskosten wieder eingespielt hat.

Fazit

Du hast also gelernt: wenn du auf das Gewicht deines Wohnwagens achten musst und das nötige Kleingeld in der Tasche hast führt kein Weg an der Lithium-Eisephosphat (LiFePO4) Batterie vorbei. Sie ist dann für dich schlicht alternativlos.

Wenn du aber genug Zuladungsgewicht zur Verfügung hast, sie im Winter zu Haus lädst, dir klar ist, dass die AGM Batterie nicht unendlich lange lebt und sie richtig dimensionierst, hast du auch mit der AGM Blei-Säure Batterie einen Akku, an dem du viel Freude haben wirst.

Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Vorhaben, deinen Wohnwagen autark zu machen!

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4 KOMMENTARE

  1. Ja, so grundsätzlich ;-)
    Paar Punkte würden mir da noch fehlen:
    – Neben der nutzbaren Kapazität sind Lithium auch viel „hochstromfähiger“, was gerade bei der Verwendung von Wechselrichtern wichtig ist. Eine gescheite 100Ah Lithium kann man zB mit 300A Strom belasten, eine 100Ah AGM sollte man eher nur so bis 50A Strom einplanen.
    – Bei der Temperatur bist Du m.E. zu pauschal. Generell sind sie ja auch unter Null Grad nutzbar und das BMS verhindert dann einfach das Laden.
    Der Bezug auf bis Minus 20 Grad bezieht sich wohl auf die wenig sinnvollen Modelle mit Heizplatten. Ebenfalls Lithium sind aber auch die LiFeYPO (mit Yttrium), die man ohne Heizplatten und Co bis Minus 45 Grad nutzen kann incl. Laden.
    – Auch 2000 Zyklen sind eher die ganz unterste Angabe von schlechteren Fertig-Lithiums. Gute Zellen geben hier z.B. 5000 Zyklen bei 80% DoD und sogar 7000 bei 70% DoD an.
    – Preis höher bei Lithium würde ich eher ausdrücken als „initialer Anschaffungspreis höher“. Sonst ist, wie Du vor Deinem Fazit richtig schreibst, die Lithium über die Lebensdauer sogar eher günstiger.

    M.E. ist eine AGM nur noch dann sinnvoll, wenn folgende drei Kriterien alle (UND) erfüllt sind:
    – Lösung nur für wenige Jahre (da sonst Li günstiger)
    – Gewicht ist nicht relevant, man hat die grob 45Kilo mehr je NUTZBARE Kapazität von 100Ah.
    – eher keine Hochstromverbraucher (Wechselrichter)

    • Hallo Andreas,

      danke für deine Ausführungen :-)

      Ich wollte es so kurz und einfach wie möglich halten, natürlich hast Du recht!

      Liebe Grüße Chris

    • Hallo Frank, ich habe noch nie einen Wohnwagen mit Gel-Batterie gesehen. Warum soll es unbedingt eine Gel-Batterie sein?

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